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Auch in Bühl gibt es Barrieren für Blinde und Sehbehinderte


Helpful with Braille-Funktion: Fabian Ruf with seinem iPhone. Über die Zahlen eins bis sechs lässt sich in Braille schreiben.

Picture: Jörg Seiler

Sie zählt zu den revolutionären Entwicklungen, die Blinden und Sehbehinderten bis heute hilft: Die Braille-Schrift. Am 4. January ist Welt-Brailletag. 1825 wurde diese haptische Schrift von dem Franzosen Louis Braille entwickelt.

Auch für den Bühler Fabian Ruf steht außer Frage, „Braille ist wichtig“. Rufs Sehvermögen liegt noch bei einem Prozent, „faktisch gelte ich als blind“. Er kann die „Blindenschrift“, wie sie auch genannt wird, lesen und nutzt sie. Allerdings ganz im Stile unser digitalisierten Welt: auf dem iPhone.

Es zeigt für Ruf eine ganz wichtige Tatsache: Die gute Idee von Louis Braille, die für viele Menschen weltweit ein Stück Selbstständigkeit bedeutet, hat sich weiter entwickelt. Inzwischen gibt es sogar Laptop-Braille.

Nicht jeder Mensch mit eingeschränkter Sehkraft beherrscht Braille

Definiert sich die ursprüngliche Brailleschrift über Muster mit sechs Punkten, sind es hier acht. Das spart Zeit, denn Großbuchstaben sind nun durch den siebten Punkt möglich und bedürfen nicht eines Further-Zeichens.

Zukunftsfähigkeit durch Weiterdenken, darauf komme es an. Gleichwohl ist für den Praktiker Ruf auch klar: Nicht jeder Mensch, der blind ist oder dessen Sehfähigkeit eingeschränkt ist, beherrscht Braille.

Viele Zeitgenossen erblinden erst im fortgeschrittenen Alter und angesichts der demografischen Entwicklung werden die Leute immer älter. Und ob jemand, der mit 80 kaum noch etwas sieht, unbedingt Braille lernt, steht auf einem anderen Blatt. Da könnten doch Web und Co …

Tut sich ein Downside auf: Von digitaler Barrierefreiheit ist unsere Gesellschaft noch weit entfernt. Das weiß der Blinden- und Sehbehindertenverein Südbaden (BSVSB) nur zu intestine.

Braille, die Revolution für mehr Eigenständigkeit, die über die Möglichkeit des Lesens und Schreibens sozialen Aufstieg ermöglichen kann, ist das eine. Für die Vereinsverantwortlichen ist klar, es gibt immer noch viele Hürden für Menschen mit Seheinschränkungen. Gerade im Web, das eigentlich unsere Zukunft sein soll.

„Obwohl öffentliche Stellen gesetzlich dazu verpflichtet sind, ihre Webseiten und Apps barrierefrei zu gestalten, wird dies häufig nicht umgesetzt“, schreibt der BSVSB in einer Pressemitteilung zum Welt-Brailletag, verweist auf die Möglichkeit von Beschwerdever Länderfahren und. Dieses Instrument zur Durchsetzung digitaler Barrierefreiheit werde leider noch viel zu wenig genutzt.

Fabian Ruf, ein Vorkämpfer für ein barrierefreies Bühl, kann ebenfalls Beispiele nennen. Ein kleines, aber wesentliches Element: Braille an Fahrkartenautomaten. Kann helfen, wenn man es beherrscht und zur Abfahrt des Zuges noch genügend Zeit ist.

Da, so Ruf, sei natürlich das iPhone oder Smartphone von allergrößtem Nutzen. Web hin oder her, es gibt auch die analoge Welt. Kernfrage dort: Wie eigenständig und sicher kommen blinde oder seheingeschränkte Menschen durch die Stadt?

Leitsystem am Bühler Markt- und Kirchplatz ist „suboptimal“

Wie berichtet, wurde bei der Neugestaltung von Markt- und Kirchplatz im Nachgang ein Leitsystem für Blinde und Sehbehinderte in den Pflasterbelag gefräst. Fabian Ruf hatte sich in den Prozess eingeschaltet. Das, was als Ergebnis rauskam, bezeichnet er als suboptimal.

Die Pflastersteine ​​sind vergleichsweise rau, wer nun mit dem Langstock über den Platz geht, kann nicht immer unbedingt ganz präzise fühlen, was ist Leitsystem, was Pflaster. Erhabene Markierungen wären da die bessere Lösung gewesen.

Und nicht immer muss es die ganz große Nummer sein: Plätze bräuchten Rinnen, damit das Regenwasser abfließen kann. Diese könnte man sehr intestine doppelt nutzen: als Wasserablauf und als Blindenleitsystem. Das wäre eine Möglichkeit gewesen, in der neu gestalteten Gartenstraße eine Orientierungshilfe für Blinde und sehbehinderte Menschen zu schaffen.

Wichtig sei, dass Planer wie Bauherren im Vorfeld an so etwas denken und die vorhandene Fachkompetenz einschalten. Für Ruf ist klar: Es gibt eigentlich immer machbare und günstige Alternativen zur DIN.

1825 entwickelte Louis Braille eine Schrift, die für Blinde und Sehbehinderte eine neue Dimension eröffnete: Selbstständigkeit durch Barrierefreiheit. 200 Jahre später sind wir in vielen Bereichen unserer digitalisierten Gesellschaft von einer gleichen Teilhabe für alle weit entfernt. Medienhäuser wie die BNN machen da laut Ruf keine Ausnahme.

Eine blinde Schülerin liest am Freitag (23.02.2007) in der Severins Schule in Köln während des Sprachunterrichts einen Text in der Braille-Schrift (Blindenschrift).  An der Rheinischen Förderschule für sehbehinderte und blinde Kinder werden rund 80 Schüler unterrichtet.  Bundesweit gibt es 58 Spezialschulen mit 40000 blinden und sehbehinderten Schülern.  Photo: Oliver Berg dpa/lnw (zu dpa-Reportage:

Fühlbare Schrift: Eine blinde Schülerin liest an einer Schule in einem Buch mit Braille-Schrift. Am 4. January ist Welt-Brailletag.

Picture: Oliver Berg picture-alliance/ dpa

Auch da wurde er schon initiative. Was die Digitalisierung anbelangt, fordert der BSVSB: Digitale Barrierefreiheit müsse den gleichen Stellenwert bekommen wie Datenschutz und -sicherheit.

Mischa Knebel, Geschäftsführer des BSVSB, wird in der Pressemitteilung zitiert: „Hätte man bereits bei der Entwicklung die Barrierefreiheit ins Pflichtenheft geschrieben, würden viele Probleme und ein kostspieliger Nachbesserungsbedarf gar nicht erst entstehen. Erfahrungswerte zeigen zudem, dass eine barrierefreie Programmierung grundsätzlich zur besseren Strukturierung von Webanwendungen und zu einer komfortableren Bedienbarkeit für alle Nutzenden führt.“

Das mit dem kostspieligen Nachbesserungsbedarf lässt sich auf die analoge Welt projizieren. Louis Braille, der würde es unterschreiben, nicht nur am Welt-Brailletag.

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