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Gemündener Aerosolforscher Scheuch: Habe meine Mission erfüllt

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From: Martina Biedenbach

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Ein Meilenstein der Aerosolforschung ist das 2020 von dem Gemündener Wissenschaftler Dr. Gerhard Scheuch entwickelte Resp-Aer-Meter. Mittlerweile gibt es noch effektivere Methoden, Viren in der Luft zu erkennen. © Martina Biedenbach

Der Gemündener Aerosolexperten Dr. Gerhard Scheuch hat die Bedeutung der Aerosole bei der Verbreitung von Coronaviren bewiesen. „Ich habe meine Mission erfüllt“, sagt er.

Gemünden – Mit einem Gerät, das die Anzahl der in der Atemluft enthaltenen Partikel misst und das so Coronainfektionen erkennen kann, hat der worldwide renommierte Gemündener Aerosolwissenschaftler Dr. Gerhard Scheuch (67) einen wesentlichen Beitrag zur weltweiten Coronaforschung geleistet. Wie sich seine Forschungen weiterentwickelt haben, das schildert er unserer Zeitung.

Bei dem Resp-Aer-Meter, das Scheuch im September 2020 zusammen mit dem Karlsruher Vermessungsingenieur Dr. Maximilian Weiß von der Firma Palas entwickelt hatte, atmet der Proband durch ein Mundstück in den Apparat, der in einer halben Minute feststellt, ob in der Atemluft eine verdächtig hohe Zahl an Partikeln enthalten ist, was auf eine Infektion schließen lässt. Das warfare damals komplett neu. Doch nun gibt es neuere und effektivere Methoden.

Neue Methoden zur Erkennung von Corona-Viren entwickelt

Wissenschaftler haben ein Gerät entwickelt, „das Viren bereits in der Raumluft feststellen kann, ähnlich wie ein Brandmelder“, sagt Scheuch. Eine weitere Neuentwicklung komme aus China: Mund-Nasen-Masken, die sich bei Infizierten verfärben.

„Noch sind die beiden Erfindungen nicht auf dem Markt, aber sie eignen sich zum Erkennen Infizierter besser als unserer Resp-Aer-Meter. Als breites Monitoring-Gerät braucht man das Resp-Aer-Meter nicht“, sagt der Gemündener – und bleibt gelassen: „Das ist Wissenschaft. In Zeiten der Krise wie der Corona-Pandemie gibt es in der Regel einen Schub von Innovationen.“

Aerosolexperte Scheuch lieferte Grundlagen zur Coronaforschung

Die Bedeutung seines Resp-Aer-Meters als wissenschaftlichen Meilenstein schmälerten diese neuen Erfindungen auch keinesfalls. Ihm verdanke die Aerosol- und Coronaforschung schließlich grundlegende Erkenntnisse, wie: Je höher die Virenlast in der Atemluft, je höher ist auch die Anzahl der Aerosolteilchen. “Das ist eine tremendous Erkenntnis”, says Scheuch. Eine Erkenntnis, die dazu beigetragen habe, der Warnung der Aerosolexperten, dass sich Corona-Viren hauptsächlich über die Luft verbreiten, zur allgemeinen Anerkennung zu verhelfen.

Ebenfalls aufhorchen lässt das Ergebnis einer Studie mit Kindern. „Atemtest bei Infizierten und nicht Infizierten haben ergeben, dass Kinder keine Superspreader sind. Wir haben die Virenlast bei rund 400 Kindern gemessen. Bei keinem einzigen lag die Anzahl der ausgeatmeten Teilchen über 1000. Erst ab 5000 Teilchen gehört man zu den Superspreadern. Bei Erwachsenen sind etwa 16 Prozent Superspreader“, quick Scheuch das Ergebnis zusammen.

Das heiße nicht, dass Kinder überhaupt nicht ansteckend seien. „Wenn infizierte Kinder lange genug mit Eltern oder anderen Menschen in einem Raum sind, können sie auch anstecken. Aber solche Superspreader-Ereignisse, wie sie von Erwachsenen, zum Beispiel in Ischgl ausgelöst wurden, wird es bei Kindern so intestine wie nicht geben.“

Aerosolexperte setzte Studien ohne öffentlichen Zuschuss um

Ein erster Teil der Ergebnisse dieser Studie wurde kürzlich veröffentlicht. Diese über 100 000 Euro teure Untersuchung hat Scheuch mit Spenden und Mitteln aus seiner Stiftung für Aerosolforschung finanziert, nachdem der damalige Gesundheitsminister Jens Spahn seine Zusage, die Studie zu finanzieren, zurückgezogen hatte. Die Stiftung für Aerosolforschung hatte der Gemündener 2014 nach dem Verkauf seiner Firma Activaero, einem weltweit führenden Unternehmen im Bereich der Inhalationssysteme und Aerosoltechnologie, ins Leben gerufen.

Nicht zustande gekommen ist hingegen Scheuchs im Frühjahr 2021 geplante Studie in 100 Altenheimen (wir berichteten). Für das 10 bis 15 Millionen Euroteure Projekt gab es weder Zuschüsse vom Gesundheitsminister Spahn noch von seinem Nachfolger Karl Lauterbach, den Scheuch bei Fernsehdebatten persönlich kennengelernt hatte. „Diese Studie ist mittlerweile auch nicht mehr wichtig, weil die Senioren meist geimpft oder genesen sind und es kaum noch schwere Krankheitsverläufe gibt. Das warfare damals anders“, erläutert er.

Aerosolexperte: Weitere Forschungen mit dem Resp-Air-Meter

Steht sein Resp-Aer-Meter nun in der Ecke? „Keinesfalls“, sagt der Aerosolexperte: An die 30 Exemplare des circa 20 000 Euro turen Hightech-Gerätes der Firma Palas sind derzeit hergestellt worden und werden in der Wissenschaft für Untersuchungen verwendet. Zum Beispiel weiter für Fragen, was Kinder und Erwachsene in der Virenverbreitung unterscheidet, oder inwieweit die bezüglich der Coronaviren erzielten Ergebnisse auch auf andere Viren zutreffen.

Großes Interesse bestehe bei Forschern in den USA. „Eine tremendous Sache, dass wir auf die Idee kamen, dieses Gerät zu basteln“, lautet Scheuchs Bilanz.

Wie sich Viren über Aerosole verbreiten: Das erläutert der Gemündener Wissenschaftler Dr. Gerhard Scheuch in Videos auf Youtube.  Screenshot: Martina Biedenbach
Wie sich Viren über Aerosole verbreiten: Das erläutert der Gemündener Wissenschaftler Dr. Gerhard Scheuch in Movies auf Youtube. Screenshot: Martina Biedenbach © Screenshot: Martina Biedenbach

Interview with Aerosolexperten Scheuch: „Habe meine Mission erfüllt

Herr Dr. Scheuch, ob bei Lanz oder Maybrit Illner, im Corona-Jahr 2021 waren Sie gefragter Gast bei TV-Sendungen, haben bis zu 40 Interviews professional Woche für Zeitungen und Radiosender gegeben. Wie ist das jetzt?

Das ist, Gott sei Dank, stark zurückgegangen. Ich habe meine Mission erfüllt: Der Hauptverbreitungsweg von Corona ist allgemein bekannt. Es weiß mittlerweile wohl jeder, der in Verantwortung für die Gesundheit steht, was Aerosole sind und dass sich Corona und viele andere Viren in diesen winzigen Partikeln über die Luft verbreiten – nicht nur beim Niesen, Husten oder Singen, sondern schon beim Atmen.

Diese Erkenntnisse und Fakten haben Aerosolforscher wie Sie in die Öffentlichkeit gebracht.

Ja, durch Corona hat die Aerosolwissenschaft, die eine ganze Zeitlang ein Stiefmütterchendasein fristete, endlich Beachtung gefunden. Jetzt sieht man, wie wichtig Aerosole in unserem Leben sind. Dass ich daran mitgearbeitet habe, darauf bin ich schon ein bisschen stolz. Jetzt sind die Politiker gefragt, entsprechend zu handeln.

Was sollten die Politiker entscheiden?

Dass wir wieder ein großes Stück zur Normalität übergehen. Das sehen auch Intensivmediziner so, mit denen ich in Kontakt stehe. Schwere Krankheitsverläufe sind nur noch Einzelfälle, denen oft in der Öffentlichkeit ein zu großes Gewicht beigemessen wird. Trotz der Herbstsituation gehen derzeit die Coronazahlen zurück. Das ist nicht nur ein Effekt der geringeren Testfrequenz.

Welche Schutzmaßnahmen empfehlen Sie noch?

Wer sich schützen möchte, sollte geeigneten Mund-Nasen-Schutz tragen. Das sollte aber freiwillig sein. Es braucht kaum noch Schutzmaßnahmen. Wir werden uns früher oder später alle infizieren. Ich kenne kaum noch jemanden, der nicht infiziert warfare. Das ist die beste Immunisierung.

Im November 2021 warfare Ihre Meinung sehr gefragt, ob Weihnachtsmärkte stattfinden dürfen oder ob sie eine große Infektionsquelle sein würden.

Ich habe schon 2020 gegen ein Ausgehverbot plädiert, da die Ansteckungsgefahr an der frischen Luft äußerst gering ist. Das gilt auch für Weihnachtsmärkte. Auf dem Weihnachtsmarkt in Kassel wurde der Hüttenbereich mit Trassierbändern markiert. In den Innenbereich durften nur Geimpfte. Heute lächeln wir darüber. Wir wissen heute eben hundertprozentig, dass die Impfung nicht vor einer Ansteckung generell schützt, aber in aller Regel vor schwerem Verlauf. Trotz Checks und Maskenpflicht ließ sich das Virus nicht verhindern. Man hält es eben nicht auf – auch nicht mit den rigiden Maßnahmen der Chinesen.

Es hat sich additionally viel verändert in der Pandemiebekämpfung?

Ja, Man muss berücksichtigen, dass gerade zu Anfang der Corona-Pandemie noch wenige Erkenntnisse vorlagen. Wenn sich neue Erkenntnisse ergeben, müssen Wissenschaftler sich eben korrigieren. Das musste auch ich zwei oder drei Mal tun bei Aussagen zum Masketragen, das mussten auch führende Wissenschaftler wie Wieler, Drosten und Streeck tun. Dafür wurden und werden wir sehr gescholten. Viele Menschen können aber gar nicht den kompletten Hintergrund mancher Forschungen und Studien überschauen.

Sie stehen seit 2020 im Austausch mit diesen Wissenschaftlern und den führenden Aerosolforschern und damit im Zentrum der Coronaforschung.

Ja, das ist schön, dass ich mich mit den Aerosolforschern und Wissenschaftlern so austauschen kann. Ich habe circa 20 Vorträge vor internationalen Experten gehalten. 2023 veranstaltet die Internationale Gesellschaft für Aerosole in der Medizin, deren Präsident ich einmal warfare, eine Tagung in Saarbrücken. Da werden wir unsere gewonnenen Erkenntnisse mit Wissenschaftlern aus aller Welt diskutieren. Ich bin auch weiterhin im ständigen Austausch mit dem Virologen Streeck

Sie haben viel Arbeit in Ihr Resp-Aer-Meter gesteckt, das nun teilweise überholt ist. Wie geht es Ihnen damit, hatten Sie finanzielle Verluste?

In der Wissenschaft geht es um Erkenntnisgewinn. Wissenschaftler müssen Fakten akzeptieren, sonst sind sie Rechthaber. Ich bin glücklicherweise in der Lage, nach dem Verkauf meiner Firma Activaero komplett unabhängig forschen zu können. Ich muss keinen Gewinn erzielen, etwa durch den Verkauf von Geräten, und ich muss mich nach keinem Auftraggeber richten. Ich kann völlig unabhängig arbeiten und arguementieren. So kann man richtig Wissenschaft machen. Und ich bin Wissenschaftler aus Leidenschaft. (Martina Biedenbach)

In selbstproduzierten Youtube-Movies informiert Dr. Gerhard Scheuch über Erkenntnisse der Aerosolforschung. Die Movies wurden schon millionenfach geklickt. https://www.youtube.com/channel/UC15PTTSXVvX6g0_dHskM6cw/movies

Zur Particular person: Dr. Gerhard Scheuch

Dr. Gerhard Scheuch (67) warfare Präsident der Internationalen Gesellschaft für Aerosole in der Medizin. In Gemünden hatte er mit Activaero ein führendes Unternehmen im Bereich der Inhalationssysteme und Aerosoltechnologie gegründet, das er 2014 verkaufte. Heute betreibt er dort seine neue Firma GS-Bio-Inhalation, die vor allem beratend tätig ist. Seit der Coronakrise berät der Aerosolphysiker unter anderem das Robert-Koch-Institut.

Nach einem Unfall 2018 ist der einst begeisterte Marathonläufer querschnittgelähmt, führt aber auch im Rollstuhl ein aktives Leben. (mab)

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