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Marienfelde: Mercedes-Benz eröffnet Digital Manufacturing unit Campus

Automobilindustrie

Marienfelde: Mercedes-Benz eröffnet Digital Manufacturing unit Campus


09.23.2022, 15:59

| Lesedauer: 5 minutes


Mithilfe modernster Technik weiß Mercedes-Mitarbeiterin Sandra Muß genau, wo welches Bauteil hinkommt.  Auf dem Bildschirm hinter ihr werden ihr die dafür notwendigen Informationen angezeigt.

Mithilfe modernster Technik weiß Mercedes-Mitarbeiterin Sandra Muß genau, wo welches Bauteil hinkommt. Auf dem Bildschirm hinter ihr werden ihr die dafür notwendigen Informationen angezeigt.

Picture: Jörg Krauthöfer / FUNKE Picture Providers

Mercedes digitalisiert seine Produktion immer weiter. Am Marienfelder Standort wird die dafür nötige Software program entwickelt und getestet.

Berlin. Autohersteller Mercedes-Benz geht die Digitalisierung mit großen Schritten an – und richtet dafür das Werk in Berlin-Marienfelde völlig neu aus. Am Freitag wurde der „Mercedes-Benz Digital Manufacturing unit Campus“ (MBDFC) offiziell eröffnet und damit der Weg für die digitale Automobilproduktion frei gemacht. Gemeinsam mit Companion Siemens und mit Unterstützung des Landes Berlin wird in den Produktionshallen in der Daimlerstraße zukünftig Software program entwickelt, erprobt und implementiert. Der Campus enthält gleichzeitig ein Trainings- und Qualifizierungszentrum, um die dafür benötigten Mitarbeitenden aus den eigenen Reihen umzuschulen. In den nächsten fünf Jahren will Mercedes-Benz einen dreistelligen Millionenbetrag in den Standort investieren.

Für Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD), die die Eröffnung am Freitag besuchte, aufgrund der einst drohenden Schließungs des Marienfelder Werks Anlass für viel Lob. „Wir sind stolz darauf, dass Sie hier sind und sich für Berlin entschieden haben“, so Giffey. Der Standort setze Maßstäbe für den Innovationsstandort Berlin.

Ab 2025 will Mercedes Elektromotoren fertigen


Damit lässt Mercedes am Marienfelder Standort seine Geschichte der Herstellung von Verbrennungsmotoren hinter sich. Dort im Süden des Bezirks Tempelhof-Schöneberg wurden über einen langen Zeitraum vor allem Dieselmotoren zusammengeschraubt und andere Fahrzeugkomponenten hergestellt. Etwa ab 2025 will Mercedes in die Produktion von Elektromotoren einsteigen. „Mercedes-Benz wird voll elektrisch“, Mr. Jörg Burzer, Mitglied des Vorstands der Mercedes-Benz Group AG, am Freitag bei der Eröffnung des MBDCF. Die Mercedes-Benz AG gehört weltweit zu den größten Herstellern von Luxus-Pkw. Im Jahr 2021 wurden rund 1.9 Millionen Pkw und nahezu 386,200 Vans produziert.



Die Motoren des britischen Herstellers Yasa, den Mercedes-Benz übernommen hatte, werden dann in die Fahrzeuge verbaut. In der Produktion setzt das Unternehmen auf die Software program MO360, mit der Arbeitsabläufe in der Produktion standardisiert und weltweit auf alle Mercedes-Benz-Werke ausgeweitet werden konnte. Alle 14 Tage wird diese Software program aktualisiert und weiterentwickelt.

Digital Manufacturing unit Campus ermöglicht neueste Software program direct to check

Als ein führender Anbieter im Bereich der Automatisierung und industriellen Software program bringt Siemens hierfür sein Knowhow und Technologien in die Partnerschaft mit Mercedes-Benz ein. „Wir gehen in diese Transformation zusammen“, sagte Cedrik Neike, Vorstandsmitglied der Siemens AG, bei der Eröffnung.

Um neue Software program-Varianten möglichst realistisch zu testen, besteht der Campus aus sogenannten Technologiezellen, in denen Produktionsprozesse nachgebildet und neue Options ausgetestet werden können, bevor sie in reale Produktionslinien übergehen. Dabei werden virtuelle mit realen Absicherungsmethoden kombiniert.

Berliner Standort überzeugte bei Mercedes dann doch

Bei Mercedes ist das digitale Arbeiten so sehr in die Abläufe eingebunden, dass es ein Zurück nicht mehr geben kann, wie Mercedes-Vorstandsmitglied Burzer erklärte. „Dieser Digital Manufacturing unit Campus gibt dem Werk eine komplett andere Stellung im globalen Produktionsnetzwerk. Ohne dieses Werk geht nichts mehr“, sagte Burzer.

Berlin sei dabei als Standort für den Digital Manufacturing unit Campus einfach am besten geeignet. „Berlin ist bei Software program und Digitalisierung sehr ausgeprägt, auch was die Talente angeht.“ Das habe letztlich dazu geführt, das „digitalisierte Standbein“ dort genauso zu platzieren wie das industrielle, so Burzer.

Mercedes-Benz bildet Software program-Entwickler selbst aus


Um die Mitarbeitenden match für die begonnene Transformation zu machen, bildet Mercedes auch selbst Software program-Entwickler aus. Diese „Pioniere“, wie sie im Unternehmen genannt werden, kommen aus der Produktion und wechseln nach einer speziell zugeschnittenen Umschulung in den IT-Bereich. „Vom Schrauber zum Software program-Entwickler“, nannte Vorstandsmitglied Burzer diesen Prozess. In einer Pilotphase wurden zunächst elf Pioniere umgeschult. Sie sollen in dieser Woche ihre Zertifikate ausgehändigt bekommen. Langfristig sollen mehrere Hundert Software program-Entwickler am Marienfelder Standort arbeiten.

Einer der ersten elf Nachwuchs-Softwareentwickler ist der 32-jährige Lukas Reiche. „Für mich conflict das die Likelihood, mich neu zu erfinden“, so der Schöneberger, der zuvor als Maschinenbediener bei Mercedes arbeitete. Sandra Büchler hat vor allem die gute Zukunftsperspektive gereizt. „Mit dem Ende des Verbrennungsmotors wäre mein Job vielleicht irgendwann weggewesen“, so die 38-Jährige. Sie arbeitete bei Mercedes bisher als Industriekauffrau in der Logistik.

Mercedes-Benz in Marienfelde: Entwicklung der Mitarbeiterzahlen ungewiss

Noch vor zwei Jahren sah die Zukunft des Marienfelder Werks und ihrer Mitarbeitenden alles andere als rosig aus. Am Standort sollten etliche der Stellen abgebaut werden. Im vergangenen Jahr dann die Kehrtwende: Mercedes-Benz verkündete, die Produktion von Hochleistungselektromotoren etablieren zu wollen.

Wie sich die Mitarbeiterzahlen in Zukunft entwickeln werden, ist dennoch ungewiss. It’s gebe Sorgen in der Belegschaft, sagte Jörg Burzer. „Ich kann die Sorgen verstehen.“ Aber: „Transformation heißt auch Unsicherheit.“ Die Weichen für eine Zukunft des ältesten Mercedes-Standorts überhaupt seien jedoch gestellt.



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