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Neue Computerwand für psychisch kranke Gefängnis-Insassen


Der gelernte Forensik-Pfleger Erik Kuijpers hat das “Kommunikationsfenster” entwickelt. © Kevin Kindel

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Die Abkürzung BGH steht im Gefängnis nicht für den Bundesgerichtshof, sondern für „besonders gesicherte Hafträume“. Das sind die Zellen, in die Insassen gesperrt werden, die „völlig abschalten“, wie Anstaltsleiter Ralf Bothge es nennt. Die in solch einer psychischen Krise stecken, dass man mit ihnen nicht mehr kommunizieren kann.

Häufig handelt es sich um Menschen mit psychischen Krankheiten, die umgangssprachlich gesagt „austicken“. Sie schlagen und treten um sich, es kann auch vorkommen, dass jemand mit Fäkalien auf Wärter werfen will. In einem dieser spartanisch eingerichteten BGH ist neuerdings ein Spezial-Pc in der Wand installiert.

Das neue Gerät nennt sich „Cowin“, kurz für „Communication window“, additionally Kommunikationsfenster, erklärt Hersteller Erik Kuijpers. Der Niederländer ist gelernter Psychiatrie-Pfleger und hat das Riesen-Pill entwickelt, um die Insassen auch in solchen Extremkrisen nicht allein zu lassen.

„Wenn man sie einschließt, geht man aus dem Kontakt“, sagt Kuijpers. Der intestine gesicherte Contact-Pc soll zur Deeskalation beitragen: „Das ist kein Spielzeug“, sagt er – auch, wenn Spiele darauf installiert sind.

Das Gefängnis-Private bestimmt, welche Funktionen der Insasse nutzen kann. Das reicht von Entspannungsvideos über eine Mal-Funktion bis zu Telefonie und Fernsehen. „In einer Krise ist derjenige fremdbestimmt“, erklärt Kuijpers: „Das Gerät bietet die Möglichkeit, wieder selbst etwas zu bestimmen.“

Die Wärter können über den Bildschirm aus sicherer Entfernung kommunizieren oder das Gerät nutzen, um ins Gespräch zu kommen. Bei psychisch Kranken könne es einfacher sein, gemeinsam ein Spiel zu spielen und dabei sich auszutauschen, als denjenigen direkt anzusprechen. „Zu einer Krise gehört auch ein bisschen Komfort“, so Kuijpers.

NRW-Justizminister Dr. Benjamin Limbach zeigt den neuen Touch-Bildschirm im Dortmunder Gefängnis.
NRW-Justizminister Dr. Benjamin Limbach zeigt den neuen Contact-Bildschirm im Dortmunder Gefängnis. © Kevin Kindel

Das Dortmunder Gefängnis ist zusammen mit dem in Iserlohn das erste, das so eine Medienwand in NRW nutzt. Justizminister Dr. Benjamin Limbach (Grüne) hat sie am Donnerstag (12.1.) eingeweiht, obwohl sie schon seit einigen Monaten in Betrieb ist.

Man merke bereits, dass das Gerät zum Aggressionsabbau beitrage: „Bei depressiven Stimmungen sehen wir, dass viele Inhaftierte diese Medienwand beispielsweise brauchen, um mit ihren Angehörigen zu kommunizieren“, sagt Direktor Bothge. Sehr individuell könne man auf die Bedürfnisse der Betroffenen eingehen.

Mehr psychisch Kranke

Insgesamt sehe man, dass die Zahl der psychisch Erkrankten steige, sagt Minister Limbach; auch unter Gefängnis-Insassen. Neben dem Ausbau von Behandlungsplätzen und ambulanten Maßnahmen in Gefängnissen sei die Medienwand ein Bestandteil der Strategie.

Vor einigen Jahren struggle eine Idee, dass pinke Zellenwände Gefangene beruhigen sollten: „Wir haben das einfach mal ausprobiert und festgestellt, dass das nicht funktioniert“, so Limbach. Nun wolle man die Nutzung der Medienwände erproben. Die Idee ist, dass die Insassen schneller aus ihrer Krise kommen und auch Angestellte durch den Pc entlastet werden.

Auf einem Gefängnis-Flur sind die Holztüren der Zellen zu sehen.
Das Dortmunder Gefängnis in der östlichen Innenstadt ist 120 Jahre alt. © Kevin Kindel

„Wir sind sehr froh, dass das nicht zum Alltag gehört“, sagt Direktor Bothge. Es gebe zwar Wochen, in denen die Spezialzelle an fünf Tagen belegt ist: „Wir haben aber auch Situationen, wo es deutlich weniger der Fall ist.” Und: „Wir versuchen im Vorfeld alles, um den Gefangenen nicht dort reinzubringen.“

Läuft man über die Flure der Dortmunder Justizvollzugsanstalt, sieht man dicke Holztüren mit niedrigen Durchgängen und erwartet keine Contact-Bildschirme an den Wänden. Die Einrichtung ist vor 120 Jahren eingeweiht worden: „Wir haben natürlich bauliche Probleme. Das ist eine Anstalt, die sehr eng gebaut ist“, sagt Bothge: „Da werden wir kurzfristig nichts dran ändern können, das ist okay so.“

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