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Wieso das Sterben der Seevögel auch Menschen betrifft

An den Küsten von Deutschland, Großbritannien und Island, in Grönland und an der Nordamerikanischen Atlantikküste ereignet sich gerade ein Massensterben bei Seevögeln. Die Vogelgrippe grassiert ungewöhnlich lang in diesem Jahr und hat sich extrem weit verbreitet. Timm More durable, Leiter des Nationalen Referenzlabors für Aviäre Influenza am Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems erklärt, warum diese Epidemie den Menschen nicht gleichgültig sein kann – und große Impfkampagnen notwendig sind.

In Deutschland sind wir in den vergangenen Wochen Zeuge eines massiven Sterbens bei Seevögeln geworden, Vogelschützer gehen davon aus, dass beispielsweise 70 bis 80 Prozent der Nester in Deutschlands einziger Basstölpelkolonie auf Helgoland frühzeitig verlassen wurden. Wie schlimm ist die Lage?

Die großen und bekannten Seevogelkolonien wie die auf Helgoland oder auf Bass Rock, dem Pendant in Schottland, sind wahrscheinlich nur ein kleiner Ausschnitt. Auf solchen Kolonien liegt viel Aufmerksamkeit. Das Virus, das diese Todesfälle verursacht, die hochpathogene aviäre Influenza H5N1, ist aber entlang der gesamten deutschen Nord- und Ostseeküste, sogar im gesamten Nordatlantik mittlerweile in Seevögeln nachgewiesen worden. It’s hat im letzten Jahr von Europa aus den Sprung über Island und Grönland nach Nordamerika geschafft. Es ist die schwerste Epidemie, die wir bisher je erlebt haben, letztlich sind alle in Kolonien brütenden Seevögel betroffen. Wir haben 2007 in Deutschland im Sommer einmal eine kleinere Epidemie am Stausee bei Kelbra im Südharz erlebt, bei der quick alle dort mausernden seltenen Schwarzhalstaucher starben. Was wir jetzt erleben hat aber eine völlig neue Dimension. Dieser Vogelgrippeausbruch bei Wildvögeln ist in der zeitlichen und räumlichen Ausdehnung ohne Beispiel.

Kolonien bieten vor allem auf dem Boden brütenden Vögeln Schutz vor Prädatoren, sind aber – wie man sieht – eine Virenfalle. Warum?

Die Nester liegen meistens gerade einmal eine Flügelspannweite auseinander. Es gibt überall Kot und andere Ausscheidungen, und auch wenn die Vögel direkt miteinander streiten oder schnäbeln kann es zur Übertragung kommen.

Warum wütet das Virus in diesem Jahr so ​​heftig?

Das hat uns Wissenschaftler selbst überrascht. Wir hatten ja schon einige starke Vogelgrippe-Saisons, beispielsweise 2016/17 und 2020/21, aber normalerweise verschwand das Virus mit Beginn des Frühjahrs und damit auch vor dem Brutbeginn der großen Vogelkolonien. In diesem Jahr gab es aber erstmals keine Saisonalität – das Virus konnte sich den gesamten Frühling und Sommer vermehren.


Timm More durable leitet am Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems das Nationale Referenzzentrum für Vogelgrippe.
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Bild: FLI

Sie sequenzieren am FLI und in anderen Referenzlaboren für die Vogelgrippe laufend Proben von verendeten Vögeln. Haben sie dank dieser Sequenzen den Trick der Viren, die sie in diesem Jahr so ​​widerstandsfähig gegen die wärmeren Temperaturen und die Trockenheit gemacht haben, erkennen können?

Nein, wir sehen keine eklatanten Unterschiede zu den Viren, die 2020 oder 2021 kursierten. Wir wissen nicht, was genau anders ist.

Sind nur Vögel betroffen, die in Kolonien brüten?

Hauptsächlich ja. Aber wir haben das Virus auch bei Greifvögeln, die als Prädatoren andere Vögel fressen, gefunden.

Was ist mit Singvögeln?

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